25. Jungfrau Marathon vom 09. September 2017

Nach doch ein paar Kilometern Vorbereitung gilt es ernst. Der Jungfrau Marathon von Interlaken auf die Kleine Scheidegg ist das grosse Saisonziel von meinem Bruder Marcel Zgraggen und mir (Patricia Gut). Die Wetterprognosen habe ich die ganze Woche schon mit Argusaugen beobachtet. Nach der Ankunft in Interlaken fühle ich mich gut. Ich habe mich sehr auf dieses Rennen gefreut.

Bei trockener Witterung knallt der Startschuss um 08.30 Uhr. Zusammen mit Andi Gamma bin ich im ersten Block losgerannt. Martin Gisler startet im dritten Block 10 Minuten später als wir und Marcel um 8.45 Uhr als letzter der Uri Stiere..

Bis nach Wilderswil ist alles unter Kontrolle. Ich fühle mich sehr gut. Sofort habe ich den Rhythmus gefunden und kann mein geplantes Tempo ohne Probleme schön locker traben. Andi geht es etwas langsamer an und Martin ist durch die spätere Startzeit hinter unserer Marschtabelle.

Zweilütschenen bei km 15 ist erreicht. Nach wie vor ist alles im grünen Bereich. Der Puls stimmt, die Taktfrequenz auch und das Körpergefühl ist in der Komfortzone. Der Weg nach Lauterbrunnen steigt etwas stärker an als ich dies im Kopf vorbereitet hatte. Bei km 20 kommt die erste Unterstützung durch Esther Herger. Die Anfeuerungsrufe tun gut und motivieren mich zusätzlich. Ich kann die Pace gut halten und mit der Durchgangszeit bei Halbmarathondistanz mit 1.38 bin ich sehr gut unterwegs. Die Zusatzschlaufe in Lauterbrunnen nehme ich locker unter die Füsse. Meine Gedanken sind bereits bei der Steigung nach Wengen.

Viel habe ich darüber gehört, etwas weniger gelesen und noch weniger geglaubt, dass mich meine beiden Trampler im vollen Joggingmodus nach Wengen tragen werden. Von Hammer noch keine Spur, sondern pures Laufvergnügen am Berg. Ich bin sehr überrascht wie elegant ich die Steigung in den Lauberhornort meistern konnte. Entsprechend gut ist auch meine nächste Zwischenzeit in Wengen Dorf bei km 30 -11. der Kategorie und 29. Overall im Klassament.

Bei km 31 kommt die nächste steile Steigung auf mich zu. In dieser Steigung wartet der nächste Fanpool mit der Familie. Ich habe mir vorgenommen, wärmere Kleidung anzuziehen und Verpflegung zu mir zu nehmen. Die Handschuhe lasse ich zurück, was ich später bitter bereuen werde. Der Boxenstopp bricht mir den Rhythmus und ich habe Mühe, wieder in den lockeren Modus zurückzufinden. Bei km 35 habe ich erste Krämpfe. Ich muss gehen, probiere wieder zu joggen, muss wieder gehen und muss mich auch kurz hinsetzen, um den Krampf in der Wade lösen zu können. Andi läuft auch mich auf. Er sieht aus wie beim Start in Interlaken und ich fühle mich wie die Grossmutter der Jungfrau... Er versucht mich zu motivieren anzuhängen, aber ich muss ihn ziehen lassen. Die Temperaturen werden immer kühler und ich friere an die Hände und die Arme.

Bei km 38 passiere ich Wixi. Immer noch habe ich Mühe, den Tritt wieder zu finden. Der Weg wird immer steiler und es geht in die Moräne, wo es bei diesen nebligen Bedingungen sehr glitschig ist. Die letzten 4 Kilometer sind steil, anstrengend, ohne Überholungsmöglichkeit und überall sind Läufer mit ähnlichen Symptomen wie ich sie erlebe unterwegs. Bei km 40 kommt die Kuppe vor dem Abstieg zum Ziel. Ich habe Respekt, dass ich erneut Krämpfe erleiden werde und bin sehr froh, dass die Wadenhexe nicht erneut zuschlägt. Im Gegensatz zu vielen anderen Läuferinnen, welche rückwärts und seitwärts dem Ziel entgegenlaufen, kann ich mich auf meine Beine wieder voll verlassen und im Endspurt dem Ziel bei km 42 entgegenrennen. Der Bogen mit der Zeitmessung kommt immer näher und ich realisiere, dass ich den Jungfrau Marathon geschafft habe. In 4.24 Std. laufe ich ein. Gleich im Ziel treffe ich auf Andi, welcher 4 Minuten vor mir bei 4.20 Std. die Ziellinie passiert hat und mich mit einem fröhlichen Lachen in Empfang nimmt. Meine Eltern und mein Mann warten auch am Ziel und bringen im Rucksack warme Kleider und die Handschuhe mit, welche ich nicht mehr selber anziehen kann.

Mit 4.40 Std. und viel besser als von sich selber erwartet kommt Martin ins Ziel. Er hat in der flachen Startphase auch schnell seinen Rhythmus gefunden. Ein Sturz auf dem Brüüggli in Lauterbrunnen hat ihn etwas aus dem Konzept geworfen. Die Steigung nach Wengen wurde für ihn begleitet von einem ersten Wadenkrampf, den er aber glücklicherweise wieder gut lösen konnte. Die unglaubliche Unterstützung durch die Zuschauer am Streckenrand hat ihn den Berg hinaufgetragen. In der Moräne ist auch er in den Stau gelaufen und leider hatte er beim Übergang in den Abstieg wie viele andere auch wieder mit Krämpfen zu kämpfen, bevor er dann mit einem anständigen Schlussspurt nochmals in Rennstimmung übergehen und erfolgreich im Ziel einlaufen konnte.

Marcel zahlt etwas mehr Lehrgeld als ich. Auch er hat in Wengen Krämpfe und muss gut auf seine Waden achten, damit er den Weg hoch hinauf auf die Kleine Scheidegg schafft. Aber wer Marcel kennt weiss, ein Indianer kennt keine Schmerzen und er läuft nach 5.17 Std. auch durch den Zielbogen ein und strahlt vor Freude über die erreichte Leistung.
Herzliche Gratualtion allen Teilnehmenden für diese tolle Leistung und Danke an Patricia für den spannenden Erlebnisbericht.

Kategorie

F20
M20
M40
M50

Rang / TeilnehmerIn

18. Patricia Gut
368. Marcel Zgraggen
127. Martin Gisler
47. Andi Gamma

Zeit

4.24.57.7
5.17.41.7
4.40.41.1
4.20.00.9