26. Jungfrau Marathon vom 08. September 2018

(Erlebnisbericht von Patricia Gut)

Schon vor dem Start in Interlaken war einiges anders als letztes Jahr. Bei der Anreise konnten wir bereits erahnen, dass der Himmel wolkenlos sein dürfte und das Wetter dieses Jahr die Gruppe aus Eiger, Mönch und Jungfrau herrlich in den Sonnenstrahlen funkeln wird. Neu war für mich auch, dass ich mit der roten Elite-Startnummer 20 loslaufen durfte.

Bis Kilometer 10 konnte ich mit einer guten Pace ins Rennen starten und meine Zeit gegenüber dem Vorjahr um über 2 Minuten verbessern. Schnell hatte ich meinen Rhythmus gefunden und mit dem 6. Zwischenrang in der Kategorie lief alles nach Plan. Der Weg der Lütschine entlang ist wunderschön, aber auch heimtückisch. Die ersten 25 Kilometer des Jungfrau Marathons gelten als flache Strecke, aber so richtig flach würde ich dies dann auch wieder nicht nennen. Das Terrain hat eine leichte Neigung gegen oben und man muss doch sehr auf der Hut sein, dass sich erste Probleme nicht schon in diesem Streckenteil sich in die Waden beissen.

Ab Kilometer 15 machten sich leider erste Schmerzen am Knie bemerkbar. Der gute Rhythmus war gebrochen und im Kopf musste ich gegen negative Gedanken kämpfen. Zusätzlich machte sich bemerkbar, dass ich in der Woche vor dem Rennen mit einer leichten Grippe die Vorbereitung abgeschlossen hatte. Trotzdem konnte ich Rang 6 bis zur Halbmarathondistanz halten. Erst in der Schlaufe in Lauterbrunnen musste ich einen Rang abgeben. Gleichzeitig hatte ich im Kopf wieder gute Gedanken und ich konnte mich ein wenig erholen.

Wer schon einmal mit dem Bike die Abfahrt für den nächsten Rennabschnitt gemacht hat weiss, dass das Risiko gross ist, kopfüber nach vorne zu stürzen... Es gelang mir, den Rhythmuswechsel im steilen Aufstieg nach Wengen optimal umzusetzen. Dies dürfte auch an der Unterstützung von Steve sowie von Andy und Ester gelegen haben, welche mir eine erste Cola-Infusion verabreicht haben. Durch das Dorf Wengen wurde ich von der unglaublichen Menge an Supportern und der genialen Stimmung getragen. Ich freute mich aber auch auf den ersten Stopp bei meinen Betreuern Steve sowie Mami und Papi, welche im Anschluss echt gefordert wurden mit der Behandlung meines Knies.

Ab Wengen war mein primäres Ziel bis km 38 beim Wixi nicht zu laufen, sondern das gesamte Teilstück zu joggen. Aus dem Vorjahr wusste ich, dass dies zwar einfach tönt, aber gar nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Der Weg entlang des Bahntrasses der Jungfrau Bahn, über die Wengeneralp hoch zum Weg unterhalb des Hundschopfes hinein in den Kessel dieser wunderbaren Bergwelt mit dem atemberaubenden Panorama hat mich dieses Jahr erneut sehr gefordert. Ich konnte zwar die gesamte Distanz joggen, aber es war streng und das Knie machte immer mehr Probleme. Die Blicke der Asiaten aus dem Bahnwagen der Jungfraubahn verrieten zudem, dass mein Gesichtsausdruck wohl nicht mehr auf einen sehr lockeren Laufstiel hindeutete und mein Tempo in diesem Abschnitt neben dem Haneggschuss nicht mit den Skifahrern mithalten konnte.  

Wixi am Fuss der Moräne war erreicht. Ich hatte zwei weitere Plätze verloren und Zwischenrang 9 zeigt, dass nicht alles optimal verlaufen ist. Im Wixi war die Luft dann endgültig draussen. Dank den Betreuern in der Moräne hatte ich aber schon mein nächstes Ziel vor Augen und ohne weiteren Platzverlust konnte ich den Fallboden bei km 42 ansteuern. Die Bilder von mir auf Datasport von diesem Streckenabschnitt zeigen eine keuchende Ente, welche die vorderen Pfoten nur noch mit Mühe auf das schmerzende Knie abstellen konnte.

Die letzten Meter abwärts gegen den Zielbogen waren der Abschluss eines harten Kampfes, welchen ich nach 4 Stunden und 16 Minuten erfolgreich beenden konnte. An diesem Tag hatte ich das Maximum aus meinen Möglichkeiten herausgeholt.

Tino hat mir immer gesagt, ich soll mich in Acht nehmen vor ihm, weil er jederzeit von hinten das Feld aufräumen könne. Auch er konnte seine Zeit aus dem Vorjahr verbessern, obwohl sein Zehennagel diesen Lauf nur beschränkt in guter Erinnerung behalten dürfte.

Marcel hat im Vorfeld viel trainiert, um sein realistisches Ziel einer Zeit unter 5 Stunden zu erreichen. Eine Grippe in der Woche vor dem Jungfrau hat ihn aber geschwächt und er musste hart kämpfen, um auf der kleinen Scheidegg einzulaufen. Das Zeitziel hat er verpasst, aber unter den Vorzeichen unter denen er gestartet ist bedeutet bereits der Zieleinlauf "Mission erfüllt".

Vielen Dank unseren Betreuern - ihr wart einfach Spitze.

Kategorie

F35

M20

M40

Rang / TeilnehmerIn

09. Patricia Gut

446. Marcel Zgraggen

118. Martin Gisler

Zeit

04.16.15.6
04.37.05.5
05.40.04.1