44. BMW Berlin-MArathon vom 24. September 2017

(Erlebnisbericht von Peter Dick)

44'000 Teilnehmer… Das sagt schon einiges über die Grösse des Marathons in der deutschen Hauptstadt aus. Es ist einfach alles ein wenig grösser, als bei einem Lauf in der Schweiz. In Anbetracht dessen, dass Berlin neben New York, Tokio, London, Chicago und Bosten zu den Big 6 der Marathonszene gehört, geht das aber völlig in Ordnung. 

Als ich am Freitag mein Zimmer im Hotel, nahe des Berliner Hauptbahnhofs, bezogen hatte, ging es bereits los Richtung Messegelände. Dort angekommen, wurde uns das erste Mals bewusst, wie viele Leute hier an den Start gehen werden. Bei der Startnummernausgabe war bereits eine grosse Schlange. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie das dann am Samstag aussehen würde. Die Ausgabe war jedoch sehr gut organisiert und wir konnten anschliessend noch durch die 4 grossen Hallen schlendern, wo es alles gab was das Läuferherz höher schlagen lässt. Lustigerweise gab es das Finishershirt auch schon mit der Startnummer. Die Erklärung war, dass sie überzeugt sind, dass wir alle den Marathon finishen und daher das Shirt bereits mit der Startnummer erhalten… 

Für den offiziellen Frühstückslauf am Samstag trafen wir uns beim Schloss Charlottenburg. Der Frühstückslauf ist ein warm up über 7 Kilometer vom Schloss bis zum Olympiastadium der olympischen Spiele von 1936. Anschliessend gab es sogar noch Frühstück (Kaffee, Obst, Gipfeli und Berliner). Es war bereits ein kleiner Vorgeschmack auf den Sonntag, denn es waren über 15'000 Teilnehmer dabei. Nichtsdestotrotz mussten wir auch hier nicht lange warten oder anstehen. Es war tadellos organisiert. 

Am Abend war dann der Puls bereits etwas gestiegen. Die obligate Pasta nahmen wir im Restaurant Löwenbräu zu uns und konnten noch einige Tipps von Tadesse Abraham und Jasmin Nunige entgegennehmen. Es war jedoch schon hart in einem "Bierhaus" nur Wasser zu trinken und Pasta zu essen, anstelle von Weizenbier und Haxen oder Schweinebraten. 

Nach einer unruhigen Nacht (ja, hätte ich doch besser ein Bier getrunken) klingelte der Wecker um 05.30 Uhr. Wettkampftag! Die Anspannung war nun bei allen spürbar. Beim Morgenessen im Hotel war es extrem leise. Unser Hotel lag nur ca. 10 Minuten vom Stargelände entfernt. So machten wir uns um 08.00 Uhr Richtung Startgelände. In Berlin wird in 3 Wellen à 15'000 Läufer gestartet. Welle 1 um 09.15 Uhr, Welle 2 um 09.35 Uhr und Welle 3 um 10.00 Uhr. Ich hatte eine Zielzeit vom 3 Stunden und 30 Minuten angeben und durfte daher in der ersten Welle starten. Ins Startgelände gelangt man übrigens nur mit der Startnummer, dem Chip und einem Armband, das einem bei der Startnummernausgabe ans Handgelenk gemacht wird. 

Da Stand ich nun also, es war kurz nach 0900 Uhr. Ich war extrem nervös. Der Puls gefühlt bei 180 und auf dem WC war ich sicherlich auch schon 10 Mal. Vor mir 300 Meter nur Menschen… Die Topläufer wurden nun vorgestellt und es wurde nochmals Stimmung gemacht. Alle klatschten im Rhythmus und jubelten. Gänsehaut pur. Um Punkt 09.15 Uhr fiel dann endlich der Startschuss und die Topläufer rannten wie die Feuerwehr los. Wollten sie ja schliesslich wieder einmal den Weltrekord knacken. Ca. 3 Minuten später überquerte auch ich die Startlinie. Interessanterweise konnte ich vom ersten Meter an meine Pace laufen. Klar hatte es viele Läufer, aber es verteilte sich sehr gut auf der extrem breiten Strasse. Die Nervosität war nun weg und ich konnte relativ locker mein Tempo auf den ersten Kilometer laufen. Im Hinterkopf hatte ich natürlich immer meine sub 3:30. Das wollte ich unbedingt auf der schnellsten Marathonstrecke der Welt schaffen. Das Wetter war ok. Zwischendurch regnete es ziemlich kräftig. Es war aber nie wirklich kalt. Aus diesem Grund waren auch nicht so viele Leute am Strassenrand wie die letzten Jahre. Kamen wir jedoch an einer Unterführung vorbei, war die Hölle los. Bei jeder Unterführung spielte sicher eine Band und die Leute jubelten uns zu als gäbe es kein Morgen. 

Nach 1.43 Stunden passierte ich die Halbmarathon-Tafel. Ich war immer noch auf Kurs und hatte sogar ein kleines Polster herausgelaufen. Jetzt galt es nicht nachzulassen. Die Strecke führt durch die verschiedensten Quartiere und an den einen oder anderen Sehenswürdigkeit vorbei. 30 Kilometer hatte ich mittlerweile bereits in den Beinen und meine Uhr zeigte eine Zeit von 2.53 Stunden. Ich war immer noch auf Kurs. Jetzt noch 12 Kilometer bis zum Ziel. Jeder Marathonläufer weiss aber, dass nun das härteste Stück Arbeit folgt. Ich konnte aber mein Tempo bis kurz vor dem Ziel halten. Beim berühmten Brandenburger Tor waren es nur noch 400 Meter und ich hatte noch über eine Minute Zeit. Die Zuschauer gaben nun nochmals alles und ich kam mit der Endzeit vom 3 Stunden 29 Minuten und 33 Sekunden ins Ziel. Voller Stolz und mit einem riesen Smile nahm ich die Finisher-Medaille in Empfang. 

Wieder zurück im Hotel wurde ich dann mit einem wohlverdienten Weizenbier in Empfang genommen. Am selben Abend reiste ich dann wieder mit dem Flugzeug zurück in die Schweiz. Dort wurde ich von meiner Familie herzlich in Empfang genommen. Ein würdiger Abschluss für ein tolles Wochenende.

Kategorie

M40

Rang / TeilnehmerIn

1285. Peter Dick

Zeit

3.29.33